Ich komme ursprünglich aus dem Grafik- und Produktdesign. Ich hatte eine Designagentur, entwickelte visuelle Konzepte, Markenauftritte und Produkte. Heute kümmere ich mich hauptsächlich um IT-Systeme, Netzwerke, Geräteverwaltung, Sicherheit und Prozesse.
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Berufswechsel. Für mich hat sich die eigentliche Arbeit aber weniger verändert, als man denken könnte.
Design bedeutet für mich nicht, etwas einfach hübsch zu machen. Design beschreibt, wie etwas funktioniert, wie Menschen es verstehen und wie sie damit interagieren. Ein Designer verbindet die technische Realität eines Systems mit der Wahrnehmung und dem Verhalten seiner Nutzer. Er reduziert Komplexität, schafft Orientierung und löst Probleme.
Genau das mache ich heute in der IT.
Wenn ich für einen Kunden ein System einrichte, endet meine Arbeit nicht damit, dass es technisch funktioniert. Das wäre nur die Mindestanforderung. Ich achte auch darauf, dass die Umgebung verständlich, konsistent und angenehm zu benutzen ist.
Manchmal sind es nur kleine Dinge: ein eigenes Hintergrundbild, angepasste Farben, Profilbilder, eine Startseite mit dem Logo und den Bildern des Unternehmens oder eine Oberfläche, die nicht wie ein beliebiges Standardsystem wirkt. Der zusätzliche Aufwand ist oft gering, die Wirkung jedoch gross.
Die technische Arbeit bleibt für den Kunden zunächst weitgehend unsichtbar. Er sieht nicht sofort, wie das Netzwerk segmentiert ist, wie die Geräte verwaltet werden oder welche Sicherheitsmechanismen im Hintergrund arbeiten. Er sieht aber, ob das System sorgfältig eingerichtet wurde und ob es sich nach seinem Unternehmen anfühlt.
Diese Verbindung aus Technik, Bedienbarkeit und visueller Gestaltung ist wahrscheinlich der Teil meiner Arbeit, in dem meine frühere Ausbildung heute am deutlichsten sichtbar wird.
Warum mache ich trotzdem kaum noch klassische Designaufträge?
Nicht, weil ich Design nicht mehr gerne mache. Im Gegenteil. Ich gestalte weiterhin sehr gerne, besonders für eigene Produkte und Projekte. Was mir weniger liegt, ist Design als reine Wunschdienstleistung.
Viele Menschen betrachten Design vor allem als Geschmacksfrage. Der Designer soll eine bereits vorhandene Vorstellung ausführen, ähnlich wie jemand, der eine gewünschte Farbe aufträgt. Die fachlichen Überlegungen hinter einem Entwurf werden dabei häufig kaum wahrgenommen.
Gutes Design entsteht aber nicht dadurch, dass möglichst viele Wünsche umgesetzt werden. Es entsteht durch Analyse, Priorisierung und Entscheidungen. Ein Designer muss verstehen, was ein Produkt leisten soll, wer es benutzt, welche Einschränkungen bestehen und welche Lösung langfristig funktioniert.
Design ist keine Kunstform mit völlig offenen Regeln. Es ist eine Disziplin mit funktionalen, psychologischen, ergonomischen, kommunikativen und technischen Bedingungen. Ästhetik gehört dazu, ist aber nur ein Teil davon.
Ich habe irgendwann gemerkt, dass mich nicht das Gestalten für Kunden motiviert, sondern das Lösen schwieriger Probleme. Mich interessiert die Frage, wie man etwas Komplexes so strukturiert, dass es einfach, verständlich und zuverlässig wird.
In der IT finde ich genau diese Herausforderung wieder.
Ich arbeite dort gleichzeitig als Ingenieur, Architekt und Designer. Ich analysiere Abhängigkeiten, plane Systeme, berücksichtige Fehlermöglichkeiten und überlege, wie Menschen die Lösung später tatsächlich bedienen.
Der grosse Unterschied ist, dass Kunden in der IT seltener glauben, sie könnten die fachliche Lösung selbst besser beurteilen. Sie geben mir mehr Raum, ein Problem wirklich zu lösen, statt lediglich eine vorgefertigte Vorstellung umzusetzen.
Ich habe das Design deshalb nicht verlassen.
Ich habe seine Prinzipien auf ein anderes Gebiet übertragen.
Heute gestalte ich weniger einzelne Grafiken oder Produkte. Ich gestalte Systeme, Prozesse und die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik.