Schweizer Typografie im Web bedeutet nicht Dekoration. Sie macht Texte ruhiger, präziser und vertrauter für ein Schweizer Publikum. Kleine Details wie Guillemets, Apostrophe, Gedankenstriche und Abstände entscheiden, ob eine Seite sorgfältig wirkt.
Gerade auf Unternehmensseiten ist Konsistenz wichtiger als Originalität. Wenn jede Unterseite andere Zeichen, Abstände und Schreibweisen nutzt, wirkt die Website unruhig, auch wenn das Layout gut ist.
Guillemets statt deutsche Anführungszeichen
In der Schweiz sind Guillemets üblich: «Beispiel». Sie passen besser zum lokalen Schriftbild als deutsche Anführungszeichen. Wichtig ist, dass die Zeichen nicht gemischt werden.
Auch einfache Anführungen sollten bewusst eingesetzt werden. Für normale Webtexte reicht meist eine einheitliche Regel: Zitate und markierte Begriffe mit «...» setzen, keine wilden Mischformen.
ss statt Eszett
Schweizer Standard ist ss statt Eszett. Also «Massnahme», «gross», «schliessen», «ausser». Das gilt besonders für sichtbare Website-Texte, Buttons, Fehlermeldungen, Blogartikel und PDFs, die zur Website gehören.
Ein einzelnes Eszett auf einer Schweizer Unternehmensseite wirkt sofort wie ein Text, der aus Deutschland übernommen wurde.
Gedankenstrich, Bindestrich und Minus
Der Bindestrich verbindet Wörter: Apple-IT, Backup-Strategie, Zero-Touch-Rollout. Der Gedankenstrich trennt Einschübe oder Satzteile: kurz, ruhig und mit Leerzeichen gesetzt.
Wichtig ist nicht, möglichst viele typografische Sonderzeichen zu verwenden. Wichtig ist, dass gleiche Fälle gleich behandelt werden.
Apostroph und Zahlen
Der Apostroph sollte typografisch korrekt sein, nicht als gerades Schreibmaschinenzeichen. Bei Schweizer Preisen und Zahlen ist zudem die Schreibweise wichtig: CHF 1’200.00 oder je nach Kontext 1’200 Franken. Auf der Website sollte eine Variante konsequent verwendet werden.
Auch Datumsangaben sollten einheitlich sein. Wenn eine Seite «Mai 2026» nutzt, sollten andere Seiten nicht plötzlich «05/2026» schreiben, ausser es gibt einen klaren Grund.
Typografie ist auch UX
Typografie hilft beim Lesen. Gute Texte nutzen klare Absätze, kurze Zwischenüberschriften und keine überlangen Satzketten. Buttons sollten verständlich sein und keine zufällig wechselnden Begriffe nutzen.
Das ist eng mit UX und Conversion verbunden. Menschen vertrauen eher einer Website, die sprachlich und visuell sauber wirkt.
Typische Fehler
- Deutsche Anführungszeichen und Schweizer Guillemets mischen.
- Eszett in einzelnen Texten stehen lassen.
- Bindestrich und Gedankenstrich beliebig austauschen.
- CTA-Texte auf jeder Seite anders formulieren.
- Fachbegriffe nicht erklären.
- Preise, Daten und Telefonnummern uneinheitlich schreiben.
Praktische Kontrolle
Vor Veröffentlichung lohnt sich ein kurzer Typografie-Check:
- Gibt es irgendwo Eszett statt ss?
- Sind Anführungszeichen einheitlich?
- Sind Gedankenstriche korrekt gesetzt?
- Stimmen Buttons und Kategorietitel im Ton?
- Passen Zeilenabstände und Absatzabstände zur restlichen Seite?
Für wiederkehrende Korrekturen hilft der Typomat. Für wichtige Seiten braucht es zusätzlich einen redaktionellen Blick: Was ist wirklich gemeint, was ist nur Fülltext, und wo muss ein Begriff erklärt werden?
Merksatz
Schweizer Typografie ist kein Schmuck. Sie ist ein Zeichen, dass Inhalt, Ort und Zielgruppe ernst genommen werden.